Anfang März meldete das Fachblatt Nature begeistert, dass belgische Wissenschaftler einen kalten, matten Zwergstern entdeckt hatten, nur 40 Lichtjahre von der Erde entfernt, der rötliches Dämmerlicht verbreitet. Dazu drei Planeten, etwa so groß wie die Erde: Zwei sehr heiße, die ihr Gestirn innerhalb von wenigen Tagen umrunden; und ein kühlerer etwas weiter weg, der für eine Umrundung mehrere Monate braucht. Die Begeisterung war deshalb so groß, weil der äußere der drei Planeten genügend Strahlung abbekommen könnte, um Leben zu ermöglichen.

Diese so genannten habitablen Zonen, also Bereiche, die sich in idealer Entfernung um ihr Zentralgestirn befinden, damit sich auf möglichen Planeten Leben entwickeln kann, gibt es auch in der Startup Galaxis. Die Frage, die sich im Generator täglich stellt lautet: Wie kann eine solche habitable Zone für unsere HdM Startups aussehen und wie mögliche Sonnen, um die lebensfähige Startups kreisen?

Während bei Planeten flüssiges Wasser das wichtigste Charakteristikum ist, um Leben hervorzubringen, so sind es bei Startups vor allem Teamgeist, Kundennähe und die Fähigkeit, auf unvorhergesehene Ereignisse, richtig reagieren zu können, die eine nachhaltige Existenz versprechen. Wenn diese Startup Planeten dann noch in der richtigen Entfernung um ihre Sonne, die Kunden, kreisen – dicht, aber nicht zu dicht – dann können auf diesem Planeten Geschäftsideen keimen und weitere Existenzen hervorbringen.

Für Startups bedeutet das, möglichst dicht an die Kunden heranzukommen, ohne die Distanz zu verlieren. So dicht, dass sie einen wärmen und eine Existenz ermöglichen, einen aber nicht verbrennen. Allzu große Kundennähe und Kundenzufriedenheit kann dazu führen, dass Startups ein Produkt oder eine Dienstleistung immer weiter und besser entwickeln, die Herstellung dabei immer aufwendiger und teurer gerät und das Ergebnis am Markt weit unter Wert angeboten werden muss, um Käufer zu finden.

Auf der anderen Seite gilt es zu verhindern, dass ein Startup allzu selbstzufrieden wird, sich immer mehr vom Kunden entfernt, so dass von dort keine wärmende Nachfrage mehr kommt und irgendwann das Zentralgestirn aus dem Blickfeld verschwindet.

Der Generator hat in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen mit den verschiedensten Startup-Planeten gesammelt. Ein spezielles Problem besteht im Zwang, möglichst schnell erfolgreich an den Markt gehen zu müssen. Das kann kurzfristig sehr gut funktionieren, führt aber oft auch zu überhöhten Drehzahlen, die einem guten Teamspirit meist abträglich sind. Da hilft es, sich Zeit zu nehmen, und vielleicht auf eine weiter außen gelegene Umlaufbahn zu wechseln oder gleich das ganze Zentralgestirn. Mehr noch als in der Galaxis, wo man rote und weiße Zwerge, gelbe Riesen und schwarze Löcher findet, gibt es in der Startup-Welt eine unglaubliche Vielzahl von Sternen, um die es sich zu kreisen lohnt. In der Galaxis müssen Planeten und Zentralgestirne zueinander passen. Das Gleiche gilt für Startups und deren Kunden.

Der Generator hat in den vergangenen Jahren manch interessante Überlebensstrategie kennengelernt. Drei erfolgreiche wollen wir hier vorstellen:

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Illustration: Shutterstock/krkt

Die Organisierten: Klingt zunächst nicht wirklich sexy: Startups mit einem Plan. Aber der Plan hilft dabei, sich im Dschungel der Möglichkeiten zurechtzufinden. Klare Zuständigkeiten im Team helfen dabei. Demokratie wird praktiziert, aber nur bei den existenziellen Entscheidungen, zum Beispiel bei der Büroeinrichtung. Ansonsten gibt es klare Verantwortlichkeiten: Fürs Marketing, für die Finanzen, für die IT. Es ist klar, wer, wann und mit welcher Botschaft zum Kunden geht und wer im Büro die Stellung hält. Selbst die Kreativität ist organisiert, wie man an den akkurat gepinnten Post-it-Klebern an den Wänden sehen kann. Der Break-even-Point wird exakt dann erreicht, wann er fällig ist, manchmal vorher, aber selten später.

 

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Bild: Shutterstock/Four Oaks

Die Agilen: Sie sind nicht allzu verliebt in ihre Geschäftsidee und arbeiten stattdessen lieber daran, den richtigen Kunden zu finden. Es macht ihnen auch nicht allzu viel aus, mit einem nicht voll entwickelten Prototypen oder einem, der noch einige Macken aufweist, zum Kunden zu gehen. Und wenn sie feststellen, dass Produkt/Dienstleistung und Kunde nicht wie gewünscht zur Deckung gebracht werden können? Macht nichts. Sie legen dann einfach einen so genannten „Pivot“ hin. Denken sich also eine neue Idee aus oder suchen einfach neue Kunden. Solcherart Agilität erfordert ein souveränes Selbstvertrauen. Meistens sind in einem solchen Team sehr heterogene Charaktere vertreten, die aber extrem gut harmonieren.

 

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Bild: Shutterstock/Michal Sarauer

Die Gechillten: Die Gechillten lassen sich durch nichts aus der Fassung bringen und durch Rückschläge nicht von ihrem Vorhaben abbringen (das übrigens oft eine stark soziale Komponente ausweist). Sie sind durchaus bereit, hart zu arbeiten und auch mit wenig Ertrag zu leben, wenn die Richtung stimmt. Sie werden nie den großen Investor finden, aber auf Crowdfunding-Plattformen sammeln sie kontinuierlich kleine Beträge von zahlreichen Förderern und Sympathisanten ein, die ausreichen, um ein kleineres Projekt umzusetzen. Die Gechillten pivotieren eher ungern. Sie entwickeln ihre Idee lieber kontinuierlich und mit bewundernswerter Hartnäckigkeit weiter, obwohl sie nahe am Existenzminimum leben – bis irgendwann der nicht erwartete Durchbruch kommt.

Welche Typen finden sich in erfolgreichen Startups?

Der Analyse-Typ: Er achtet auf Zahlen, Fakten, Berichte und verweist darauf, aus vergangenen Projekten viel gelernt zu haben. Meistens braucht er viel Zeit, bevor er loslegt, weil er sich sehr viele Gedanken im Vorfeld macht. Der Analyse-Typ wirkt nach außen manchmal schwer beweglich, aber bevor er eine Entscheidung trifft, muss er über 95 Prozent der Fakten verfügen.

Der lösungsorientierte Typ: Egal, welche schlechten Erfahrungen er vorher gemacht hat, niemals geht es ihm darum, sich in Selbstmitleid zu zerfleischen. Er schaut immer nach vorn und hat sofort eine brillante Idee, wie die Lösung aussehen könnte. Erst viel später, wenn überhaupt, denkt er daran, wie man sie umsetzen kann. Nervt manchmal.

Der Kritiker: Er ist nicht sonderlich beliebt im Team und ist oft als Nörgler verschrieen. Er prüft das Budget, die Ideen und Konzepte und sagt immer „Das ist ja schön und gut, aber ich weiß nicht….“. Der Kritiker weist auf Probleme hin. Gibt es neben ihm noch den Lösungs-Typen im Team, droht oft Ärger. Dem Kritiker fehlen häufig Gelegenheiten und Strategien, sich einzubringen. Dabei täte vielen Startups so ein Typ sehr gut.

Der Action-Typ: Er legt sofort los und will sofort ausprobieren. Er wird hibbelig und launisch, wenn er nichts zu tun bekommt und nervt mit seinem Aktionismus alle anderen. Dabei kann er unglaublich wichtig für ein Team sein. Er ist der Motor, der ein Vorhaben voranbringt, vorausgesetzt er dreht nicht zu hoch oder würgt ab.

Diese Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In einem erfolgreichen Team findet man häufig alle vier Typen oder entsprechende Mischformen.