Gefühlt trifft man die Methode Design Thinking mittlerweile überall an, aus jeder Ecke springt sie hervor und findet begeisterte Anhänger. Dennoch: Seit mehreren Jahren gibt es immer wieder Stimmen, die den Tod des Formats Design Thinking postulieren und behaupten, dass es durch andere Ansätze wie User Experience abgelöst wird. Doch ist dem wirklich so?

Das Konzept des Design Thinkings beruht auf der Annahme, dass Probleme effektiver und rascher gelöst werden, wenn sich Menschen unterschiedlicher Fachbereiche in einem kreativitätsfördernden Umfeld zusammensetzen und gemeinsam daran arbeiten. Dabei gilt es, den Nutzer ins Zentrum zu stellen und gemeinsam eine Fragestellung herzuleiten. Anschließend werden Konzepte entwickelt, die wiederholt geprüft werden und anschließend an einem Prototypen getestet werden. Diese Methode findet nicht nur bei unseren Studenten großen Anklang, sondern auch in den Bereichen Schulwesen, Mittelstand und IT – und das weltweit.

Gerade im Startup Bereich wird oft mit der Methode Design Thinking gearbeitet, die helfen soll Innovationen in iterativen Prozessen effektiver und schneller voranzutreiben. Dabei gibt es im Ursprungskonzept ein grobes Prozedere, das alle Seminarteilnehmer durchlaufen und das folgendermaßen aussieht:

https://www.wissensdialoge.de/desginthinking_grundlagen/

Re-Designing Design Thinking?

Seinen Ursprung hat Design Thinking, wie der Name schon vermuten lässt, in der Gestaltungsbranche. Hier zielte man darauf ab, den Kunden und dessen Problem genauer kennenzulernen, um letzteres zu lösen. Also im Prinzip eine Umgestaltung des Umgangs mit dem Kunden. Wenn man es genau nimmt, ist jede Gestaltung nur eine Umgestaltung. Ähnlich wie in der Literaturwissenschaft die Intertextualität davon ausgeht, dass neue Texte nur in Abhängigkeit von anderen (nicht nur schriftlichen) Texten entstehen können, kann man annehmen, dass es auch eine „Interdesignalität“ beziehungsweise „Intermethodologie“ gibt. Hier würde gelten, verschiedene Konzepte und Hintergründe wie zum Beispiel Design Thinking mit jenen der User Experience zu verknüpfen und daraus ein neues, zeitgerechtes Format zu entwickeln. Neue Konzepte entstehen nur durch Interdependenz zu vorangegangenen Methoden. Also wäre vielleicht RE-Design-Thinking ein passender Begriff?

Versteht man den Begriff als Ursprung des Designers, der seinen Prozess umdesignt, wird auch schnell klar, dass es sich dabei um eine Art des „human centered design“, also den im deutschen Sprachgebrauch oft als „Nutzerzentriertheit“ bekannten Begriff handelt. Daher kann, darf und muss Design Thinking weiterwachsen und den gleichen Schritt gehen, wie die, die das Format nutzen: die Bedenken der Kritiker ernst nehmen, zuhören und an Lösungen arbeiten. Vielleicht auch mit einem Prototypen für ein neues Format.

Ist es nun Kunst?

Doch zurück zur Frage über Leben oder Tod, über Kunst oder Müll: Selbst einer der Begründer des Design Thinkings, Tim Brown hinterfragt, ob man nicht den Tod der Methode längst heraufbeschworen habe und kommt zu dem Schluss, dass es „Masters of the art“ bedarf, die den Gedanken des Design Thinkings weitertragen, entwickeln und verinnerlichen. Ist Design Thinking also Kunst?

Zumindest ist es eine Kunst, sich den Prozess immer wieder vor Augen zu führen und wenn nötig entsprechende Anpassungen zu machen. Aus demselben Grund passt das Startup Center seine Ideengenerierungs-Workshops in regelmäßigen Abständen an, redesignt die verschiedenen Seminare und verinnerlicht die Prozesse auch im normalen Berufsalltag, etwa bei Besprechungen. So verändert sich Design Thinking in vielen verschieden Bereichen und Orten. Denn was wir nicht vergessen dürfen bei der vielen Ideengenerierung:

Wir leben in einer sich schnell ändernden Welt. Daraus folgt: Wir müssen einen signifikanten Veränderungsprozess anstoßen, wie wir mit unseren Unternehmen umgehen.

Durch die jahrelange Erfahrung mit Design Thinking, kann das Motto des Startup Centers nur heißen: „Mr. Data, setzen Sie Kurs auf das 24. Design-Thinking-Jahrhundert. Ich nehme an, dass dort unsere Zukunft auf uns wartet.“. So oder so ähnlich zumindest formulierte es der große Captain Picard.

 

Kommentar: Design Thinking. Ist das Kunst oder kann das weg?
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