Keine Lust mehr als Kellner zu jobben? Keine Lust mehr auf schlecht bezahlte Studentenjobs? Ihr habt ein Talent das ihr beruflich nutzen könnt? Wie wäre es dann mit der Selbstständigkeit? Immer mehr Studenten, besonders im Medienbereich, wagen während des Studiums den Schritt in die Selbstständigkeit. Für einige dient dies nur als Nebenerwerb und Minijob, andere legen sich bereits die Grundbausteine um nach dem Studium vollzeitig im eigenen Unternehmen zu arbeiten. Beim Gründen als Student gibt es allerdings ein paar Besonderheiten zu beachten und deshalb haben wir eine umfassende Schritt-für-Schritt Anleitung für euch erstellt, damit der Einstieg auch problemlos verläuft.

 

Selbstständig neben dem Studium: Was müsst ihr beachten?

Jonas studiert Public Relations. Er steht im magentafarbenen Mauskostüm in der Fußgängerzone und versucht den vorbeieilenden Passanten mit mehr oder weniger gelungenen Späßen Telefonverträge anzudrehen. Lisa studiert Medienwirtschaft. Sie räumt abends im Discounter um die Ecke zwischen genervten Kunden die Regale ein und fährt am Wochenende für einen Lieferdienst Pizza aus. Jobben neben dem Studium ist für viele unabdingbar, aber muss es in einem unqualifizierten und schlecht bezahlten Umfeld sein?

Werkstudentenjobs beim eigenen Lehrstuhl oder in einem Unternehmen sind heiß umkämpft und oftmals auch nicht besonders gut bezahlt. Wie wäre es also, wenn man sich mit seinem eigenen Business das Geld fürs Studium verdient?

Es muss nicht immer die hochinnovative, völlig neue Idee sein. Der eigene Blog, der eigene Youtube-Channel, Grafikdesign, Übersetzen, die Schneiderwerkstatt im WG-Zimmer, Webdesign, Dekorieren, Fotografieren, die eigenen Fitness-Aktivitäten  – das, was man gerne in seiner Freizeit tut, kann oft auch als solide Grundlage für eine Selbstständigkeit neben dem Studium dienen. Und wann, wenn nicht während des Studiums hat man die Zeit, sich selbst auszuprobieren?

Sicherlich ist eine Selbstständigkeit um einiges herausfordernder und zeitaufwendiger als ein simpler Minijob. Man muss ein Geschäftsmodell konzipieren, in den Außenauftritt investieren, unangenehme Akquise betreiben, die Finanzen im Griff behalten. Sicherlich ist das Einkommen nicht so kalkulierbar und entspricht zunächst auch nicht dem tatsächlichen Aufwand. Aber man arbeitet für seine eigene Idee, baut ein wertvolles Netzwerk auf und sammelt extrem viele und unterschiedliche Erfahrungen. In Ergänzung zum Studium eignet man sich so Kompetenzen an, auf die heute viele Arbeitgeber Wert legen: Unternehmerisches Denken und Handeln.

Sicherlich muss man für sein Business auch einmal in die Rolle des Promoters, der Messehostesse, des Telefonvertrieblers oder des Lieferdienstes schlüpfen. Anders als in einem Mini-Job tut man das aber für „sein eigenes Baby“, ist sein eigener Chef und voll verantwortlich, für das, was man tut oder nicht tut. Nicht nur auf dem Papier ist das ein großer Pluspunkt im Lebenslauf.

Besonders an Medienhochschulen wie der HdM Stuttgart laufen ganze Heerscharen an Studentenunternehmern herum – Gamedesigner, Bloggerinnen, Grafikdesigner, Fotografen. Von ihnen kann man viel lernen. Auch im Netz findet man zahlreiche Blogbeiträge und Tools, die einem vor allem bei strategischen Überlegungen helfen. Bei einigen Fragen, die sich jeder Studierende unabhängig von seiner Idee ganz zu Beginn stellt, herrscht aber große Unsicherheit.  Darf ich einfach so Rechnungen schreiben? Wo muss ich mich anmelden? Was bedeutet das für meinen studentischen Status bei Versicherungen? Was passiert mit meiner BAföG-Förderung? Wie ist das mit den Steuern?

Antworten liefert das kleine Einmaleins des Generator Startup Centers, das beschreibt, welche Formalitäten bei einer Gründung neben dem Studium relevant und unerlässlich sind.

Gleich zu Anfang: Es ist alles nicht ganz so kompliziert wie es scheint. Einige Grenzen und Fristen muss man beachten, dann sollte nichts schief gehen.

Wenn nach der Lektüre unseres Leitfadens dennoch Fragen offen geblieben sind, steht das Generator Startup Center für alle Studierenden und Absolventen der HdM mit einem kostenlosen Beratungsgespräch zur Verfügung.

Schritt 1: Gewerbeamt oder Finanzamt – wo melde ich meine Existenzgründung an?

Manchmal fliegt es einem zu. Freunde der Eltern wollen eine Homepage haben und sind bereit, ein kleines Honorar dafür zu bezahlen. Zum Ende eines studentischen Projekts gibt es einen kleinen Bonus des Auftraggebers. Kann man in solchen Fällen als Privatperson, also unangemeldet, Rechnungen schreiben? Das geht nur solange es nicht eine selbstständige Tätigkeit ist, die auf ein wiederkehrendes Einkommen abzielt. Will man also wirklich sich mit kleinen Aufträgen neben dem Studium etwas hinzuverdienen, ist das eine konkrete Absicht, Einkommen zu erzielen und man sollte sich nicht länger um eine Meldung der Selbstständigkeit bei den Ämtern seines Wohnsitzes drücken.

Falls man eine gewerbliche Tätigkeit ausübt muss man sich beim Gewerbeamt melden. Die meisten Gewerbeämter stellen hierfür ein Formular zur Verfügung, das man am besten ausgefüllt persönlich vorbeibringt. Kostenpunkt: ca. 30 bis 40 Euro, je nach Stadt/Gemeinde. Das Gewerbeamt meldet anschließend automatisch den Vorgang an das Finanzamt weiter, von dem man dann eine Steuernummer zugeteilt bekommt. Man kann diesen Prozess beschleunigen, wenn man sich direkt beim Finanzamt meldet und zwar mittels des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung, den man online bei den Finanzämtern finden kann.

Ist es eine freiberufliche Tätigkeit meldet man sich ausschließlich beim Finanzamt mit dem steuerlichen Erfassungsbogen an (kostenlos) und erhält anschließend seine Steuernummer, mit der man offiziell Rechnungen schreiben kann.

Die Unterscheidung in gewerblich und freiberuflich ist gerade in Medienberufen nicht immer einfach und wird daher in Teil 2 ausführlicher behandelt.

Bei der Anmeldung muss man auch seine Rechtsform angeben, unabhängig ob man eine freiberufliche oder gewerbliche Tätigkeit ausführt. Für Studenten, die sich neben dem Studium, also voraussichtlich erst einmal in relativ geringem Umfang, selbstständig machen, kommen vor allem kleingewerbliche Rechtsformen in Frage (Achtung: nicht die Begriffe Kleingewerbe und Kleinunternehmen verwechseln (mehr dazu in Teil 3).

Denn zu Beginn spielt vor allem eine Rolle, dass der laufende zeitliche sowie kostentechnische Aufwand nicht zu hoch ist. Als kleingewerbliche Rechtsformen mit geringem Aufwand zählen das Einzelunternehmen (für diejenigen, die sich alleine selbstständig machen) oder die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR, für diejenigen die sich mindestens zu zweit selbstständig machen).

Diese Rechtsformen haben gegenüber den handelsgewerblichen Rechtsformen (Einzelkaufmann, OHG, KG, GmbH & Co.) bzw. handelsrechtlichen Rechtsformen (GmbH, UG, AG) den Vorteil, dass sie schnell und einfach gegründet, sowie mit wenig Aufwand zu betreiben sind (z.B. keine Pflicht zur Handelsregistereintragung, Bilanzierung, Jahresabschlüssen, etc.).

Zu einem späteren Zeitpunkt oder unter bestimmten Umständen kann es durch aus sinnvoll sein, eine andere Rechtsform zu wählen, bzw. umzuwandeln, bzw. wenn Kapital von Investoren aufgenommen werden soll oder das Haftungsrisiko steigt. Die Wahl der Rechtsform ist also immer eine Einzelfallentscheidung und sollte genau überlegt werden.

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