Was bedeutet eigentlich scheinselbständig? Wie entkomme ich der Gefahr unbeabsichtigt als scheinselbstständig eingestuft zu werden? Diese Fragen beantworten wir im folgenden Beitrag.

Schritt 7: Das Gespenst der Scheinselbstständigkeit

Vor dem Wort „scheinselbstständig“ haben viele Gründer Angst, dabei ist es eigentlich zum Schutz der Selbstständigen bzw. Auftragnehmer gedacht. Man sollte das Konstrukt der Scheinselbstständigkeit verstehen, wenn man sich selbstständig macht, aber man selbst geht eigentlich kein Risiko ein, sondern, wenn dann, der Auftraggeber. Vor allem in Agenturen ist es Gang und Gebe, dass man sogenannte „Freiberufler“ beschäftigt, die auf eigene Rechnung arbeiten aber gänzlich weisungs- und ortsgebunden, eben wie Arbeitnehmer, beschäftigt werden. Damit drücken sich die Agenturen um die Sozialversicherungsbeiträge und können im schlimmsten Fall verklagt werden – beispielsweise vom Selbstständigen, der sein ordentliches Beschäftigungsverhältnis einklagen will.

Scheinselbstständig ist nicht die Person des Selbstständigen, sondern ein Auftragsverhältnis des Selbstständigen. Das heißt, selbst wenn man mehrere Auftraggeber hat (wir oft irrtümlich als einziges Kriterium gegen die Scheinselbstständigkeit angeführt), können eines oder mehrere Aufträge scheinselbstständig sein.

Kriterien dafür, dass man ein „echter“ Selbstständiger ist sind zum Beispiel:

  • Man arbeitet in seinen eigenen Räumen und nicht denen, des Auftraggebers
  • Man arbeitet mit der eigenen Ausstattung (Laptop, Kameras, etc.)
  • Man macht eigene Angebote/Preise und eigene Vorschläge zur inhaltlichen Ausgestaltung des Auftrags
  • Man kann seine Arbeitszeit frei wählen
  • Einem wird vom Auftraggeber nicht verboten, andere Auftragnehmer zu haben

 

Auch wenn es kein Indiz für eine Scheinselbstständigkeit ist, wenn man nur einen Auftraggeber hat, muss man trotzdem aufpassen. Klar ist, dass man bei Gründung vielleicht erst mit einem Kunden startet und der Kundenstamm erst langsam anwächst. Das ist kein Problem. Sollte man dauerhaft jedoch nur einen Auftraggeber haben, läuft man Gefahr, als „arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger“ eingestuft zu werden. Dann zählt man zwar noch als Selbstständiger, muss als Folge allerdings Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen, wenn man sich von diesen nicht ausdrücklich befreien lässt.

Foto: pikcha / Shutterstock.com

Studium und Selbstständigkeit – Teil 7: Das Gespenst der Scheinselbstständigkeit
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