Sich Zeit nehmen, über das Team und die Kräfteverteilung nachzudenken – dafür bleibt in der Regel nicht viel Zeit im Gründungsprozess. Daher zählt diese Komponente zu den am meisten unterschätzen der Gründer – nicht umsonst nimmt allein in den USA die Begründung „falsches Team“ Platz 3 ein, warum die meisten Startups scheitern.

Doch wie finde ich heraus, was zählt? Das Team ist ein Kernelement jeder Gründung, auch bei Einzelgründungen, denn das Voranbringen eines Produktes oder einer Dienstleistung besteht immer aus der Zusammenarbeit von Menschen, sei es in kleineren Teilprojekten, Auftragsarbeiten oder eben als Gründungsteam oder späteren Einstellungen. Eine erste kleine Bedienungsanleitung oder auch Checkliste, was ich tun kann, um mein Team auf Vordermann zu bringen, soll dieser Artikel darstellen.

Der erste Schritt – ein kleiner für dich, ein großer fürs Team

Du schaust dich um und siehst – Menschen. Ist nicht ein jeder Mensch auch ein eigenes Universum mit schwarzen Löchern, leuchtenden Sternen und eigenen Wahrheiten? Schau dich noch mal genauer um: Wer ist das denn, der da neben dir sitzt und mitrumgründet? Klar ist wohl, dass ein interdisziplinäres Team unabdinglich ist: Wenn alle Mitglieder schöne Webseiten gestalten können, aber kein Produkt bewerben, herstellen, erfinden können, dauert es nicht lange und die Idee wird zu einer Sternschnuppe. Haben wir nun ein Team aus verschiedensten Fachbereichen zusammengestellt, kommt das nächste Obstakel: Die zusammengewürfelten Menschlein werkeln herum und keiner weiß, was gerade passiert. Also, was sollte ein Kompagnon so alles mitbringen, außer Fachkenntnissen? Christian Botta, Gründer von visual braindump hat dies für den Projektmanagementbereich sehr schön veranschaulicht:

 

Quelle: visual braindump

Ein gutes Teammitglied bildet also Überschneidungen aus der sozialen fachlicher und methodischer Kompetenz, aber auch Wille und Spirit. Das gleiche Modell lässt sich auch in die Startup-Welt beamen. Neben der fachlichen Kompetenz ist es ebenso wichtig, dass die Co-Gründer miteinander kommunizieren können und die Fähigkeit sich ins Team einzubringen. Gleichzeitig sollte geschaut werden, wie es um die methodische Kompetenz steht: Wie geht der Andere mit Stress um? Welche Arbeitsweise bringt er mit? Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die Einstellung bzw. das Engagement das dem Vorhaben entgegengebracht wird. Und in der Summe dessen findet sich dann das wieder, was einen guten Co-Gründer ausmacht. Der gründet gerade neben euch rum? Prima. Der Mitgründer trifft nicht die Überschneidungen, die ihr auch mitbringt? Dann wird es Zeit für ein Gespräch, um auszuloten wie die Zusammenarbeit aussehen kann.

Was sind wir denn eigentlich?

Wer ihr seid, können wir euch hier nicht beantworten, dennoch aber einen Denkanstoß geben herauszufinden welche Art von „Team“ ihr seid. Im nächsten Schritt wird die Gruppenstruktur analysiert und zwar anhand des Riemann-Thomann-Modells. Klingt intergalaktisch? Ist es auch.

Auch hier geht es um Einzel- aber auch Gruppenreflektion und genau da fängt die Arbeit an. Als Unternehmen müsst ihr euch früher oder später darüber klarwerden, welche Werte ihr vertretet und was euch wichtig erscheint. Hierzu noch ein Extratipp: Setzt euch zusammen und haltet fest, was eure Prinzipien sind und wonach ihr euren Kompass im Startup-Universum ausrichtet. Riemann und Thomann haben dazu ein praktisches Handbuch angelegt und gehen von vier menschlichen Grundausrichtungen aus: Nähe, Distanz, Wechsel und Dauer. Diese Ausrichtungen lassen sich in ein Koordinatensystem eintragen. Schaut euch das Modell hier genauer an und beantwortet zunächst für euch selbst, wo ihr euch seht.

Bild: Shutterstock

Im nächsten Schritt besprecht ihr, was die Werte eures Startups darstellen und wie sie in das Koordinatensystem eingefügt werden können. Sind Dauer und Nähe ausgeprägt stellt ihr eine Gemeinschaft dar, die Zuverlässigkeit und Prinzipientreue kennzeichnet. Eine Truppe kennzeichnet sich durch Dauer und Distanz – Haupteigenschaften sind hier klare Hierarchien und Ablehnung von willkürlichen Handlungen. Als letzten Schritt könnt ihr die Schwerpunkte der einzelnen Teammitglieder in dasselbe Koordinatensystem einfügen wie der Startup-Werte und schauen wo es Überschneidungen gibt und wo die Ansichten weit auseinandergehen. Dies ist die erste Grundlage anhand derer ihr feststellen könnt, wie es um eure Teamstruktur bestellt ist – vor allem aber eine Diskussionsbasis, um weitere Werte festzuhalten. Klingt banal? Testet es aus und urteilt dann erneut.

Was nun?

Ist man sich nun seiner eigenen Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale bewusst und hat auch im Gespräch mit den anderen festgestellt, dass man gut zueinander passt, sich ergänzt und die passende Form für sich gefunden hat, steht die Basis für die Fahrten in fremde Galaxien und vielleicht auch zu anderen menschlichen Universen.

Ausstehende Koordinaten für die Weiterreise sind der Umgang mit Konflikten, Lernen an welcher Stelle des Unternehmensprozesses man steht und die Rollenverteilung einplanen. Dies folgt in den nächsten Beiträgen rund um das Thema „Team“.

Alle Nennungen sind geschlechtsneutral zu betrachten; steht dort „Gründer“ sind selbstverständlich auch die weiblichen, anderen und nichthumanoiden Gründer gemeint!