Wie wäre es mit einer Augmented-Reality-Brille, die Kindern Lust auf Kunstmuseen macht? Einer App für die virtuelle Anprobe der neuesten Modetrends oder einem wirklich bedarfsgerechten Carsharing-Konzept? Fehlt nicht auch ein unterirdisches Gütertransportnetz oder ein intelligentes Leitsystem für Notfälle und Evakuierungen? Oder ein E-Reader, der alle Bücher der Welt in sich vereinen kann, ein Spiel gegen die soziale Isolation durch Überdigitalisierung und eine Augmented Reality-Anwendung, die den Besuch eines Einkaufszentrums spannender macht?

Klingt nach Zukunft, ist es auch: Diese und weitere Ideen wurden in nur anderthalb Tagen von den EBMC-Finalisten 2019 kreiert. Dabei kam eine Mischung aus Szenariotechniken und Design Thinking zum Einsatz. Auf diese Weise sollten unter dem Motto „Stuttgart 29“ Geschäftsideen für die Zukunft erarbeitet werden.

Am 5. und 6. Juni 2019 sind beim Finale des europäischen Ideenwettbewerbs „Entrepreneurial Brains Made on Campus“ (EBMC) an der HdM acht internationale, studentische Teams angetreten, die per Losverfahren zusammengestellt worden sind.

Bei den Teilnehmern handelte es sich um 48 Studierende aus Athen, Birmingham, Budapest, Dąbrowa Górnicza, Den Haag, Dundee, Jönköping, Linz, Málaga, Xi’an und Stuttgart, die sich in nationalen Vorrunden für das Finale qualifiziert haben. Also Teilnehmer aus 11 Ländern? Weit gefehlt: Tatsächlich waren 30 Nationen* beim EBMC-Finale am Start, da diesmal bereits in den Vorrunden überdurchschnittlich viele internationale Studierende teilgenommen haben.

Während des ersten Finaltages, der aufgrund der zentrumsnahen Lage bei der bwcon in Stuttgart-West stattgefunden hat, (5. Juni) hat jedes Team einen individuellen „point of interest“ in der Stuttgarter Innenstadt aufgesucht. Zur Wahl standen der Hauptbahnhof, die Markthalle, die Königstraße, die Königsbau Passagen, die Kulturmeile, die Stadtbibliothek, die Buchhandlung Wittwer und das Kaufhaus Breuninger. Dort hat es über Beobachtungen und Interviews einen Optimierungsbedarf identifiziert und ein Szenario für 2029 erstellt. Auf dieser Grundlage wurden neue Geschäftsideen formuliert und sehr kreative Prototypen geschaffen.

Am Nachmittag des 6. Juni präsentierten die Teams im Audimax der HdM ihre Ideen vor dem Publikum und einer Fachjury aus Wirtschaft und Wissenschaft bestehend aus Anja Junginger (International School Stuttgart), Carolin Sauter (Robert Bosch GmbH), Tanja Trötschel (HdM), Margit Wolf (WRS), Prof. Dr. Harry Bauer (HS Aalen), Prof. Dr. Uwe Jäger (HdM), und Eddie Rietz (Mindable).

Augmented Reality für Kunstmuseen und unterirdisches Gütertransportsystem gewinnen

Das Rennen um den Jurypreis machte die Augmented-Reality-Brille „Kaleidoscope“ für Kunstmuseen. Das Team mit Ariunjargal Boldbaatar (WSB University Dąbrowa Górnicza), Milena Feiginova (Inholland University Den Haag), Si Zhou (TU Xi‘an), Sean Carroll (University of Abertay Dundee), Benjamin Mooslechner (Johannes Kepler Universität Linz.) und Adam Pelsoczi-Kovacs (Budapest Metropolitan University) wurde von Ana Muñiz Fernandez von der University of Málaga gecoacht.

Der Jurypreis ging an das Team „Kaleidoscope“ mit seiner Augmented-Reality-Brille für Kunstmuseen

Der Publikumspreis ging an das unterirdische Gütertransportnetz „Smile“. Kreiert wurde es von Theodora Rizou (The American College of Greece Athen), Stefanie Schaible (HdM Stuttgart), Sebastian Coloka (Jönköping University), Alberto Buftea (University of Málaga), Timothy Lindgren (University of Abertay Dundee) sowie Hao Wang (TU Xi‘an). Coach war Alexander Stockinger von der Johannes Kepler Universität in Linz.

Das Team „Smile“, das die Idee für ein unterirdisches Gütertransportsystem kreiert hat, holte den Publikumspreis

Siegerehrung mit dem Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments

2019 feiert der EBMC sein zehnjähriges Bestehen. HdM-Rektor Prof. Dr. Alexander Roos stellte bei seiner Begrüßung fest: „Wir haben den EBMC vor zehn Jahren gestartet und sind glücklich darüber, dass wir mittlerweile so viele Partner und Freunde gefunden haben, auch außerhalb Europas.“ Tatsächlich hat die TU Xi’an, die seit 20 Jahren mit der HdM in deutsch-chinesischen Studiengängen kooperiert, zum ersten Mal am internationalen Ideenwettbewerb teilgenommen.

Rainer Wieland, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, war Schirmherr der Siegerehrung bei der EBMC-Jubiläumsausgabe

Direkt aus Brüssel angereist war Rainer Wieland, Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Er eröffnete die Siegerehrung und zeigte sich beeindruckt von der kreativen und internationalen Atmosphäre. Der EBMC fördere den Unternehmergeist und brächte überdies verschiedene Kulturen und Sichtweisen zusammen. Man könne der HdM dankbar für diesen Wettbewerb sein.

Auch die EBMC Abschluss-Party im Stuttgarter Club „Freund + Kupferstecher“ wird allen Teilnehmern in positiver Erinnerung bleiben, wofür auch „Selfiealarm“ mit seiner Fotobox gesorgt hat. Das Start-up hat am Acceleratorprogramm Sandbox an der HdM teilgenommen.

Weitere Partner in der kommenden Saison

Seit 2009 haben rund 2.500 Studierende an „Entrepreneurial Brains Made on Campus“ teilgenommen. Initiiert und konzipiert wurde der Wettbewerb vom Start-up Center der HdM, dessen Team auch die nationalen Vorrunden an den Partnerhochschulen leitet. In der kommenden Saison 2020 möchten weitere Hochschulen, unter anderem in Armenien und Abu Dhabi teilnehmen.

* Äthiopien, Argentinien, Armenien, Bangladesch, Bolivien, Bulgarien, Chile, China, Deutschland, England, Eritrea, Frankreich, Gambia, Griechenland, Italien, Kolumbien, Mongolei, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schottland, Schweden, Slowenien, Somalia, Spanien, Turkmenistan, Ukraine und Ungarn.